Erfahrungen aus der ehrenamtlichen Besuchsdienstarbeit

Foto: Anna Ongai

Foto: Anna Ongai


Besuchsdienste sind ein besonders wichtiges Angebot von Kirchengemeinden: Ehrenamtliche besuchen ältere Gemeindeglieder, die einen runden Geburtstag feiern, oder auch weil sie gehört haben, dass jemand aus der Gemeinde unter einer längeren Krankheit leidet, vielleicht schon länger allein lebt und sich über ein Gespräch freut. Gerade in den großen Städten können Besuchsdienste gegen Anonymität und Einsamkeit helfen – wer selten Besuch erhält, sei es durch Nachbarn, Kinder oder Enkel, ist oft froh über die Möglichkeit, sich einmal auszusprechen. Die Ehrenamtlichen, die die Besuche durchführen, treffen sich meistens regelmäßig in einem Besuchsdienstkreis. Dort tauschen sie sich über die gesammelten Erfahrungen aus; oft ist eine Pfarrerin oder ein Pfarrer dabei. In der Evangelischen Kirche im Rheinland engagieren sich rund 8.700 Ehrenamtliche in der Besuchsdienstarbeit; der größte Teil – rund 85 Prozent – sind Frauen. Auch in den Essener Kirchengemeinden gibt es eine ganze Reihe von Besuchsdiensten. Die nachfolgenden beiden Erfahrungsberichte haben wir in den Gemeindebriefen der Evangelischen Kirchengemeinde Überruhr und der Evangelischen Erlöserkirchengemeinde Holsterhausen gefunden.

„Meine Besuche bedeuten zumeist eine Abwechslung, Aufmunterung, Zuspruch oder Anerkennung für die Besuchten.“

„Ich bin eher zufällig in den Besuchsdienst geraten, nachdem ich an Stelle der Pfarrerin eine alte Dame an ihrem Geburtstag besucht hatte. Auch nach vielen Jahren gefällt mir an dieser Tätigkeit: Ich kann immer wieder neu anhand der Gegebenheiten entscheiden, welche und wie viele Besuche ich mir in einem Monat vornehme. Ich werde meist freundlich eingelassen, auch wenn man mich noch nicht kennt. Ich lerne immer wieder neue Menschen kennen und erfahre Erstaunliches, z.B. über das alte Überruhr vor 70 oder 80 Jahren, oder Erlebnisse während des Krieges oder danach. Viele Menschen beeindrucken mich durch die Art, wie sie die Beschwernisse des Alters hinnehmen, mit ihrem alten Partner umgehen, durch ihr Vertrauen auf Gott. Meine Besuche bedeuten zumeist, so hoffe ich es wenigstens, eine Abwechslung, Aufmunterung, Zuspruch oder Anerkennung; das heißt ein positives Erlebnis für die Besuchten und ihre Angehörigen. Natürlich gibt es auch Besuche, bei denen ich mich hilflos oder traurig fühle oder merke, etwas falsch gemacht zu haben. Das ist dann ein Ansporn, daraus zu lernen, darüber im Besuchsdienstkreis zu sprechen und beim nächsten Besuch achtsamer zu sein. Ich hoffe, dass auch andere Menschen aus unserer Gemeinde den Mut haben werden, auszuprobieren, ob diese ehrenamtliche Tätigkeit ihnen Freude bereitet!“

„Mit dem Besuchskreis zeigen wir, dass die Gemeinde zu den Menschen kommt.“

„Seit einigen Jahren schon gibt es den Besuchskreis in unserer Kirchengemeinde, bei dem Ehrenamtliche aus der Gemeinde engagiert mitarbeiten. Der Besuchskreis besucht Gemeindeglieder ab dem 75. Geburtstag und überbringt persönlich Grüße der Kirchengemeinde. Mit dem Besuchskreis zeigen wir, dass die Gemeinde zu den Menschen kommt und sich für ein Gespräch anbietet. Verschwiegenheit ist dabei für uns selbstverständlich. Oft wird vorher telefonisch Kontakt aufgenommen, ob der Besuch erwünscht ist, aber manchmal steht auch jemand von der Gemeinde einfach vor der Tür und möchte gratulieren. Nicht immer treffen wir jemanden an, dann finden Sie einen Gruß im Briefkasten.“

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